|
Offene Kanäle Offene Kanäle als "Rundfunk der dritten Art" repräsentieren neben den Angeboten der öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Veranstalter den "privaten" Rundfunk im eigentlichen Wortsinn. Hier werden werbefrei Fernseh- und Hörfunkbeiträge von Bürgerinnen und Bürgern für Bürgerinnen und Bürger gemacht. Die Trennlinie zwischen Produzent und Konsument wird unscharf und verschwindet im Idealfall völlig. Zur Zeit verbreiten in Deutschland über 70 Offene Kanäle ihre Hörfunk- und Fernsehbeiträge sowohl terrestrisch als auch über Kabelnetze. Unbeeindruckt von Reichweiten, Zuschauerquoten und Werbeumsätzen nehmen die Nutzer/-innen der Offenen Kanäle ihr Grundrecht auf Meinungsfreiheit wahr und durchlaufen dabei einen intensiven Bildungsprozess, der ihnen ausgeprägte Grundkenntnisse über die elektronischen Medien und deren Möglichkeiten und Probleme vermittelt. In Sachsen-Anhalt ermöglichen sieben Offene Kanäle mit Unterstützung der MSA den kostenlosen, selbstverantworteten und unzensierten Zugang zu TV-Produktions- und Sendeanlagen. Verbreitet wird das Programm in den örtlichen Kabelnetzen. Die Offenen Kanäle haben sich in einem Landesverband zusammengeschlossen, der beim Offenen Kanal Magdeburg ansässig ist.
Nichtkommerzielle LokalradiosIm September 1999 beschloss die MSA die Zulassung von Nichtkommerziellem Lokalfunk (NKL) an drei Standorten in Sachsen-Anhalt. Neben den Offenen Kanälen, die ihr Fernsehprogramm in den Kabelnetzen der jeweiligen Standorte verbreiten, gibt es nunmehr in Sachsen-Anhalt die Möglichkeit, sich in einem der zugelassenen Trägervereine zu organisieren, um auch als Laie ein eigenes Radioprogramm zu produzieren, das terrestrisch abgestrahlt wird, also über eine normale Antenne in jedem Radiogerät zu empfangen ist. Bei den zugelassenen Trägervereinen handelt es sich um Radio Corax in Halle und radio hbw in Aschersleben. Beide Radios sind seit dem Jahr 2000 erfolgreich auf Sendung. Die Trägervereine werden von der MSA mit hochwertiger digitaler Produktions- und Sendetechnik ausgestattet. Nach kurzer Einweisung und Schulung können sich alle interessierten Personen als Radiomacher versuchen. Den Nutzern entstehen keine Kosten für den Sendebetrieb. Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht dabei immer der lokale Raum. Die Nachrichten von "nebenan" werden unter den Vorzeichen der massenmedialen Globalisierung immer wichtiger und interessanter. Im Idealfall aktivieren Nichtkommerzielle Lokalradios Beteiligungspotentiale auf der lokalen Ebene und werden zu einem aktiven und meinungsbildenden Faktor der örtlichen Kommunikation. Dabei sollen sich die Bürgerradios deutlich von den kommerziellen privaten Anbietern unterscheiden. Neben der Sicherung der Meinungsvielfalt ist die Durchführung von medienpädagogischen Projekten mit Kindern und Jugendlichen eines der wichtigsten Ziele der nichtkommerziellen Rundfunkprojekte in Sachsen-Anhalt. Bürgerradios sind, ähnlich wie Offene Kanäle, immer auch lokale Medienkompetenzzentren. Die selbstverständliche Art und Weise, in der Schülerinnen und Schüler "ihre" Sender benutzen, zeigt dies in besonderer Weise.
|